„Technologie allein ist zu wenig“

Marcel-Baumgartner

Am 24. Juni 2019 findet der Kongress Immohealthcare in Pfäffikon SZ statt. Eines der grossen Themen ist die Transformation von Spitälern und anderen Gesundheitsversorgern um den gestiegenen Anforderungen mit Blick auf Patientenerfahrung und Effizienz gerecht zu werden. Marcel Baumgartner von Siemens Healthineers, Partner des Kongresses, spricht über Herausforderungen und Chancen der Transformation.

 

Das Schweizer Gesundheitswesen befindet sich im Umbruch, der Reformbedarf ist offensichtlich – welche „Pain Points“ sehen Sie bei Ihren Kunden?

Marcel Baumgartner: In der Tat wirken zahlreiche Markttrends auf Gesundheitsversorger ein: Unter anderem die Notwendigkeit zur Fallzahlsteigerung, steigender Wettbewerb und Kostendruck, Digitalisierung, stärkerer Patientenfokus und nicht zuletzt stellt auch der Fachkräftemangel die Gesundheitsversorger vor Herausforderungen. Das sind alles entscheidende Themen, die zu einem Spannungsfeld führen und heute schon nach Prozess- und Strukturanpassungen verlangen.

 

Inwiefern kann Digitalisierung helfen, das Patientenerlebnis zu verbessern?

Baumgartner: Ärzte und Pflegekräfte werden durch den Einsatz digitaler Technologien in ihrer Arbeit unterstützt und von fachfremden Tätigkeiten entlastet. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind hier die Schlüssel für eine qualitativ bessere und gleichzeitig effiziente Patientenversorgung. Die Behandlung zahlreicher Krankheiten hängt von der Qualität der Früherkennung ab – dies ist einer der Bereiche, in denen neue Technologien von besonders grossem Interesse sind und den einzelnen Patienten verstärkt in den Fokus der Behandlung stellen. Mit dem AI-Pathway Companion  bietet Siemens Healthineers beispielsweise eine klinische Entscheidungsunterstützung der nächsten Generation an. Das KI-basierte System hilft Ärzten, Arbeitsabläufe zu standardisieren und zu beschleunigen.

syngo-Virtual-CockpitFachkräftemangel vs. Fallzahlerhöhung: Kann dieses Dilemma durch Technologie aufgelöst werden?

Baumgartner: Sicher wird KI den Arzt nicht ersetzen, es geht vielmehr um eine Unterstützung belasteter Teams. Zum Beispiel hat das Kantonsspital Luzern mit dem syngo Virtual Cockpit einen völlig neuen Arbeitsprozess eingerichtet, der dazu beiträgt, den Patientenkomfort und die medizinische Qualität trotz fehlendem Fachpersonal zu erhöhen. Hier macht Software zur Remote-Scan-Unterstützung die tägliche Arbeit einfacher und effizienter als auch den Personaleinsatz flexibler.

Wenn es um Anlagenplanung und Leistungsoptimierung geht, ist vielfach vom „Digital Twin“ die Rede – was hat es damit auf sich?

Baumgartner: Digitale Zwillinge – virtualisierte Darstellungen von Einrichtungen und Prozessen – haben sich inzwischen als leistungsstarke Werkzeuge für Gesundheitsdienstleister entwickelt. Modelle von Patientenstationen ermöglichen es den Anbietern, eine Vielzahl von Szenarien zu simulieren und zu sehen, wie sie sich auf die betriebliche Effizienz und die Patientenzufriedenheit auswirken. Durch diese virtuelle Unterstützung kann der Zeit- und Kostenaufwand für die Pilotierung verschiedener Lösungen und Ansätze in der physischen Welt reduziert werden.

Das Spital der Zukunft ist also vor allem durch neue Technologien geprägt?

Baumgartner: Technologie allein ist zu wenig, oftmals braucht es umfassende Beratungslösungen um die verschiedenen Facetten der Transformation zu adressieren. Wir tragen diesem Anspruch mit unseren sog. Value Partnerships Rechnung. Beispielsweise arbeiten wir mit dem Klinikum Braunschweig zusammen um das Portfolio des Spitals in Richtung proaktiver Gesundheitsdienstleister auszubauen. Zu den Zielen gehören neben der konsequenten Digitalisierung auch die Standortkonzentration und -modernisierung.

Nachhaltigkeit ist ein weiteres wichtiges Thema für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung. Mit Green + Hospitals haben wir ein modulares Konzept entwickelt, mit dem Gesundheitseinrichtungen jeder Grössenordnung ihre Ziele in puncto Umwelt, Qualität und Effizienz gleichzeitig und schnell erreichen können.